Blog & Einblicke
30. Aug 2026
Hypervigilanz: Wenn dein Nervensystem nie wirklich abschaltet.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw Behandlung.
Du betrittst einen Raum und nimmst sofort wahr, wer anwesend ist, wie die Stimmung wirkt und ob irgendwo Gefahr drohen könnte.
Du beobachtest Blicke, hörst kleinste Veränderungen im Tonfall und bemerkst Spannungen, noch bevor andere sie überhaupt wahrnehmen.
Was nach besonderer Aufmerksamkeit klingt, kann auf Dauer sehr belastend sein.
Denn während andere Menschen zur Ruhe kommen, bleibt dein inneres Alarmsystem aktiv.
Dieser Zustand wird als Hypervigilanz bezeichnet.
Was bedeutet Hypervigilanz?
Hypervigilanz beschreibt eine übermäßig gesteigerte Wachsamkeit. Körper und Psyche befinden sich in einer permanenten Alarmbereitschaft – selbst dann, wenn aktuell keine konkrete Gefahr besteht.
Dein Nervensystem verhält sich, als müsste es dich jederzeit schützen.
Es beobachtet deine Umgebung, bewertet Situationen und sucht nach möglichen Risiken.
Dabei können bereits kleine Veränderungen als Warnsignal wahrgenommen werden.
Hypervigilanz ist keine bewusste Entscheidung und auch keine Überempfindlichkeit.
Sie ist häufig eine erlernte Schutzreaktion.
Dein System hat irgendwann verstanden:
„Ich muss aufmerksam bleiben, damit mir nichts passiert.“
Wie sich Hypervigilanz zeigen kann.
Hypervigilanz sieht nicht bei jedem Menschen gleich aus.
Mögliche Anzeichen sind:
- eine starke Schreckhaftigkeit
- ständiges Beobachten der Umgebung
- Schwierigkeiten, sich zu entspannen
- innere Unruhe und dauerhafte Anspannung
- Schlafprobleme oder ein sehr leichter Schlaf
- eine erhöhte Reizbarkeit
- Konzentrationsprobleme
- körperliche Beschwerden wie Muskelverspannungen, Herzklopfen oder Erschöpfung
- das Bedürfnis, Situationen und Menschen kontrollieren zu müssen
- eine ausgeprägte Aufmerksamkeit für Mimik, Gestik und Tonfall anderer Menschen
- das Gefühl, jederzeit mit etwas Negativem rechnen zu müssen
- ständige Grübelschleifen und Gedankenkreisen
Besonders belastend ist, dass diese Wachsamkeit häufig auch in eigentlich sicheren Situationen bestehen bleibt.
Der Kopf sagt vielleicht: „Es ist alles in Ordnung.“
Doch der Körper glaubt ihm nicht.
Von außen wirken Menschen mit Hypervigilanz oft belastbar, aufmerksam, verlässlich – die, die alles im Blick haben.
Von innen fühlt es sich meistens anders an: erschöpfend, einsam und wie ein Kopf, der nie Pause macht.
Woher kommt diese ständige Alarmbereitschaft?
Hypervigilanz kann unter anderem im Zusammenhang mit belastenden oder traumatischen Erfahrungen auftreten. Auch anhaltender Stress, Angststörungen oder wiederholte emotionale Verletzungen können dazu beitragen.
Wer beispielsweise längere Zeit in einer unberechenbaren Beziehung gelebt hat, lernt möglicherweise, kleinste Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Ein bestimmter Gesichtsausdruck, ein veränderter Tonfall oder eine ungewöhnliche Stille konnten darauf hinweisen, dass ein Konflikt bevorstand.
Diese Aufmerksamkeit war in der damaligen Situation möglicherweise sinnvoll.
Sie half dabei, Gefahren einzuschätzen und sich innerlich vorzubereiten.
Das Problem entsteht, wenn das Nervensystem diese Strategie beibehält, obwohl die ursprüngliche Gefahr längst vorüber ist.
Der Schutzmechanismus läuft weiter.
Nicht weil du schwach bist, sondern weil dein System sehr gründlich gelernt hat, dich zu beschützen.
Hypervigilanz ist nicht dasselbe wie gute Menschenkenntnis.
Menschen mit ausgeprägter Wachsamkeit entwickeln häufig ein sehr feines Gespür für ihre Umgebung. Sie erkennen Stimmungen schnell und nehmen Details wahr, die anderen entgehen.
Doch diese Fähigkeit hat ihren Preis, wenn sie aus innerer Anspannung entsteht.
Denn dann geht es nicht nur darum, einen Menschen aufmerksam wahrzunehmen.
Im Hintergrund läuft ständig die Frage:
„Bin ich hier wirklich sicher?“
Das kann dazu führen, dass neutrale Situationen als bedrohlich interpretiert werden.
Ein verspäteter Anruf wird zum Zeichen von Ablehnung.
Ein kurzer Blick wirkt wie Kritik.
Eine veränderte Stimmung wird sofort auf das eigene Verhalten bezogen.
Das Nervensystem reagiert nicht auf das, was tatsächlich geschieht, sondern auf das, was geschehen könnte.
Warum „Entspann dich doch einfach“ nicht funktioniert.
Ein überaktives Alarmsystem lässt sich nicht durch einen gut gemeinten Satz abschalten.
Hypervigilanz spielt sich nicht ausschließlich im bewussten Denken ab. Sie betrifft auch automatische körperliche Reaktionen.
Deshalb reicht es häufig nicht, sich selbst einzureden, dass keine Gefahr besteht.
Bevor echte Entspannung möglich wird, braucht es ein zunehmendes Gefühl von Sicherheit!
Dabei geht es nicht darum, die eigene Wachsamkeit zu bekämpfen. Vielmehr darfst du verstehen, warum sie entstanden ist und welche Funktion sie bis heute erfüllt.
Denn erst wenn du deinen Schutzmechanismus verstehst, kannst du beginnen, anders mit ihm umzugehen.
Wahrnehmen – Verstehen – Annehmen – Gestalten
Bei Blickpunkt Mental betrachten wir nicht nur das sichtbare Verhalten. Wir schauen auf das, was dahinterliegt. Dabei geht es nicht darum, deine innere Alarmbereitschaft möglichst schnell loszuwerden.
Es geht darum, ihr bewusst zu begegnen.
Wahrnehmen
Wann wird deine innere Alarmbereitschaft besonders stark? Welche Menschen, Situationen, Geräusche oder Stimmungen lösen sie aus? Was geschieht dabei in deinen Gedanken und in deinem Körper?
Wahrnehmen bedeutet, zunächst zu erkennen, was gerade in dir geschieht – ohne es sofort zu bewerten oder verändern zu müssen.
Verstehen
Welche Erfahrungen könnten dein Nervensystem geprägt haben? Was versucht deine Wachsamkeit zu verhindern? Wovor möchte sie dich bis heute schützen?
Verstehen bedeutet nicht, in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Es bedeutet, einen Zusammenhang zwischen deinen Erfahrungen und deinen heutigen Reaktionen herzustellen.
Deine Hypervigilanz ist nicht grundlos entstanden. Sie folgt einer inneren Logik – auch wenn sie heute mehr Kraft kostet, als sie dir Sicherheit gibt.
Annehmen
Annehmen bedeutet nicht, dass du deine ständige Alarmbereitschaft gutheißen oder für immer behalten musst.
Es bedeutet, anzuerkennen, dass sie im Moment ein Teil deiner Realität ist und möglicherweise einmal eine wichtige Schutzfunktion erfüllt hat. Statt dich für deine Reaktionen abzuwerten oder gegen dich selbst zu kämpfen, kannst du beginnen, ihnen mit mehr Verständnis und Mitgefühl zu begegnen.
Du bist nicht falsch, weil dein Nervensystem besonders wachsam reagiert.
Annehmen heißt:
„Ich erkenne an, dass diese Reaktion da ist – ohne mich von ihr bestimmen zu lassen.“
Erst wenn du nicht länger gegen das ankämpfst, was in dir geschieht, entsteht Raum für Veränderung.
Gestalten
Auf dieser Grundlage kannst du neue innere und äußere Handlungsspielräume entwickeln. Du kannst lernen, automatische Reaktionen bewusster einzuordnen, deine Grenzen wahrzunehmen und zwischen einer tatsächlichen Gefahr und einer alten Warnung zu unterscheiden.
Gestalten bedeutet nicht, nie wieder angespannt oder wachsam zu sein. Es bedeutet, nicht mehr jeder inneren Alarmmeldung automatisch folgen zu müssen.
So entsteht Schritt für Schritt eine neue Erfahrung:
Ich nehme wahr, was in mir geschieht.
Ich verstehe, woher es kommen kann.
Ich nehme an, was gerade ist.
Und ich entscheide bewusst, wie ich damit umgehen möchte.
Veränderung beginnt nicht mit dem Kampf gegen dich selbst.
Sie beginnt mit Bewusstsein.
Du bist nicht deine Alarmbereitschaft.
Hypervigilanz kann sich anfühlen, als müsstest du jederzeit vorbereitet sein. Vielleicht fällt es dir schwer, Kontrolle abzugeben. Vielleicht empfindest du selbst ruhige Momente als ungewohnt oder sogar beunruhigend.
Doch dein heutiges Leben muss nicht dauerhaft von einem Schutzprogramm bestimmt werden, das einmal notwendig gewesen sein könnte.
Du darfst lernen, deinem Körper und dir selbst wieder Sicherheit zu vermitteln.
Nicht mit Druck.
Nicht von heute auf morgen.
Aber Schritt für Schritt.
Hypervigilanz kann auch im Rahmen psychischer oder körperlicher Erkrankungen auftreten. Eine fachärztliche oder psychotherapeutische Abklärung kann deshalb sinnvoll sein.
Möchtest du deine innere Alarmbereitschaft besser verstehen?
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst und herausfinden möchtest, was hinter deiner ständigen Wachsamkeit steckt, begleite ich dich dabei, deine Reaktionen bewusster wahrzunehmen, ihre Zusammenhänge zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Vereinbare hier dein persönliches Erstgespräch:
https:calendly.com/blickpunkt-mental
Du musst nicht ständig auf der Hut sein, um sicher zu sein.
Sei gut zu dir.
28. Aug 2026
People Pleaser, wenn du es immer allen Recht machen willst.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw Behandlung.
Wenn du es immer allen recht machen willst
- Du sagst „Ja", obwohl du „Nein" meinst.
- Du entschuldigst dich, obwohl du nichts falsch gemacht hast.
- Du spürst genau, dass dir etwas nicht guttut – und tust es trotzdem,
weil du die Enttäuschung im Gesicht des anderen nicht ertragen kannst.
Wenn dich das anspricht, bist du kein Einzelfall. Man nennt es "People Pleasing" – und es betrifft weit mehr Menschen, als man auf den ersten Blick denkt. Meistens Menschen, die nach außen als freundlich, verlässlich und "einfach im Umgang" gelten. Und die innerlich oft am Rand ihrer Kräfte sind.
Die stillen Symptome des People Pleasings
People Pleasing zeigt sich selten laut.
Es sieht eher so aus:
- Du sagst spontan zu, bevor du überhaupt geprüft hast, ob du eigentlich willst oder kannst.
- Konflikte gehst du lieber aus dem Weg, auch wenn dich etwas wirklich stört.
- Du entschuldigst dich für Dinge, für die es gar keinen Grund gibt.
- Nach Gesprächen grübelst du, ob du "richtig" reagiert hast oder jemanden verärgert haben könntest.
- Eigene Bedürfnisse stellst du zurück – so lange, bis du selbst nicht mehr genau weißt, was du eigentlich willst.
Von außen wirkt das wie Freundlichkeit. Von innen fühlt es sich oft wie Erschöpfung an.
Die Frage, die zu kurz kommt: Warum?
Die meisten Ratschläge zu diesem Thema klingen ungefähr so: "Lern einfach, Nein zu sagen."
"Setz dir Grenzen." "Du musst mehr an dich selbst denken."
Das Problem: Diese Tipps setzen beim Verhalten an – nicht bei dem, was dahintersteckt. Und deshalb verpuffen sie meistens. Denn niemand pleast Menschen, weil er es nicht besser weiß. Man tut es, weil es einmal gebraucht wurde.
Du bist nicht falsch. Du hast einen Grund.
People Pleasing ist selten ein Charakterzug. Viel häufiger ist es eine Strategie, die irgendwann sehr gut funktioniert hat – zum Beispiel in einer Kindheit, in der Harmonie sicherer war als Widerspruch. In einer Beziehung, in der Anpassung Nähe gesichert hat. In einem Umfeld, in dem die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen der einzige Weg war, dazuzugehören.
Das Muster hat also nicht mit Schwäche zu tun. Es hat mit Anpassung an eine Realität zu tun, die es damals gebraucht hat. Nur: Was einmal geschützt hat, kann heute begrenzen. Und genau da beginnt der eigentliche Weg – nicht beim Abstellen des Verhaltens, sondern beim Verstehen seines Ursprungs.
Verstehen ist der Anfang jeder Veränderung.
Wenn du dich fragst, warum du gerade jetzt in bestimmten Situationen automatisch in den Anpassungsmodus gehst, wirst du meistens ein Muster erkennen: Es taucht bei bestimmten Menschen auf. Bei bestimmten Tonlagen. Bei drohendem Konflikt oder Ablehnung.
Das ist kein Zufall, sondern eine erlernte Reaktion, die einmal Sinn ergeben hat. Wenn du beginnst, sie zu verstehen statt sie zu bekämpfen, verändert sich etwas Entscheidendes: Du hörst auf, gegen dich selbst zu kämpfen – und fängst an, dich selbst zu begreifen.
Das ist der Unterschied zwischen "Ich muss mich endlich ändern" und "Ich darf verstehen, warum ich so reagiere." Der zweite Satz öffnet Raum. Der erste erzeugt nur mehr Druck – und Druck ist selten der Ort, an dem echte Veränderung beginnt.
Vom Verstehen zum bewussten Umgang.
Nach der Blickpunkt-Mental-Methode® führt der Weg über vier Schritte:
Wahrnehmen
Zunächst geht es darum, ehrlich hinzuschauen: In welchen Momenten sage ich Ja, obwohl ich Nein meine? Ohne diesen Moment sofort zu bewerten oder zu verurteilen.
Verstehen
Dann die Frage nach dem Warum: Welches Bedürfnis steckt hinter dem Anpassen? Häufig ist es der Wunsch nach Sicherheit, Zugehörigkeit oder Harmonie – legitime Bedürfnisse, nur eben mit einer Strategie, die heute nicht mehr passt.
Annehmen
Frieden schließen mit der Tatsache, dass dieses Muster einmal notwendig war. Keine Kapitulation, sondern Anerkennung: "Es ergibt Sinn, dass ich das gelernt habe."
Gestalten
Erst von hier aus lässt sich bewusst entscheiden: Was möchte ich in dieser einen konkreten Situation wirklich? Und was wäre ein kleiner, machbarer Schritt in diese Richtung?
Ein kleiner erster Schritt reicht.
Niemand muss von heute auf morgen lernen, in jeder Situation klar Nein zu sagen. Das wäre wieder nur ein neuer Anspruch, gegen den man ankämpft.
Reicht stattdessen oft schon: Bei der nächsten Anfrage einmal bewusst innehalten, bevor du antwortest. Eine einzige Sekunde Pause, in der du dich fragst: Was will ich hier eigentlich? Das ist kein radikaler Umbruch – aber der Anfang von etwas, das sich mit der Zeit spürbar verändert.
👉 Erkennst du dich in einem dieser Muster wieder? Welche Situation fällt dir sofort ein, in der du "Ja" gesagt hast, obwohl du "Nein" gemeint hast?
Ich lese gern, was dir dazu einfällt – schreib es mir in die Kommentare oder per Nachricht.
Wenn du merkst, dass du bei diesem Thema immer wieder an denselben Punkten stehen bleibst und es dir alleine schwerfällt, den Ursprung zu verstehen, begleite ich dich gerne dabei. In einem unverbindlichen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo du stehst und was für dich der nächste Schritt sein könnte.
Sei gut zu dir. 💜
Blickpunkt Mental
BewusstSein - Liebe - Leben.
25. Aug 2026
Wenn Kinder zu früh erwachsen werden: Parentifizierung und ihre Folgen Teil 3/3
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw Behandlung.
Die Verantwortung neu ordnen.
Die eigene Geschichte zu verstehen bedeutet nicht, die Eltern pauschal zu verurteilen.
Viele Eltern handelten selbst aus Überforderung, Krankheit, eigenen unverarbeiteten Erfahrungen
oder fehlenden Möglichkeiten heraus.
Verständnis bedeutet jedoch auch nicht, die Auswirkungen kleinzureden.
Beides darf gleichzeitig wahr sein:
Die Eltern hatten möglicherweise ihre eigenen Belastungen.
Und das Kind musste dennoch etwas tragen, das nicht zu ihm gehörte.
Heute kann es darum gehen, Verantwortung neu zu betrachten:
- Was gehört wirklich zu mir?
- Was habe ich aus Gewohnheit für andere übernommen?
- Wo verwechsle ich Liebe mit Aufopferung?
- Wann fühle ich mich nur dann wertvoll, wenn ich gebraucht werde?
- Welche Bedürfnisse nehme ich erst wahr, wenn ich bereits erschöpft bin?
- Was würde geschehen, wenn ich nicht sofort eingreife?
Diese Fragen müssen nicht sofort beantwortet werden.
Manchmal ist bereits das Erkennen des alten Musters ein entscheidender erster Schritt.
Du musst nicht aufhören, ein fürsorglicher Mensch zu sein.
Heilung bedeutet nicht, kalt, egoistisch oder gleichgültig zu werden.
Es geht nicht darum, deine Hilfsbereitschaft abzulegen.
Es geht darum, sie nicht länger gegen dich selbst zu richten.
- Du darfst für andere da sein, ohne dich für ihr gesamtes Leben verantwortlich zu fühlen.
- Du darfst helfen, ohne dich selbst zu vergessen.
- Du darfst Grenzen setzen, ohne ein schlechter Mensch zu sein.
- Und du darfst Bedürfnisse haben, auch wenn in deiner Kindheit vielleicht kein ausreichender Raum dafür vorhanden war.
Du warst nicht „schon immer einfach stark“.
Vielleicht musstest du sehr früh stark sein.
Heute darfst du lernen, dass Beziehung nicht nur daraus besteht, gebraucht zu werden.
Du darfst auch gehalten, gesehen und unterstützt werden.
Ein erster Impuls.
Beobachte in den kommenden Tagen einen Moment, in dem du automatisch Verantwortung übernimmst.
Halte kurz inne und frage dich:
Bin ich wirklich verantwortlich – oder fühlt es sich nur vertraut an, verantwortlich zu sein?
Zwischen diesen beiden Möglichkeiten liegt ein wichtiger Unterschied.
Und vielleicht beginnt genau dort dein Weg aus dem Autopiloten.
Wenn du erkennst, dass du noch heute Verantwortung aus deiner Kindheit trägst und diese Muster besser verstehen möchtest, begleite ich dich gern dabei, deine Rolle neu zu betrachten und wieder mehr Raum für deine eigenen Bedürfnisse zu schaffen.
Ein unverbindliches Erstgespräch kannst du hier vereinbaren:
https://calendly.com/blickpunkt-mental
Psychologische Beratung und Coaching ersetzen keine ärztliche, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung. Bei akuten psychischen Krisen oder Suizidgedanken wende dich bitte unmittelbar an den Rettungsdienst unter 112, eine psychiatrische Notaufnahme oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
Sei gut zu dir.
25. Aug 2026
Wenn Kinder zu früh erwachsen werden: Parentifizierung und ihre Folgen Teil 2/3
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw Behandlung.
Warum übernehmen Kinder diese Rolle?
Kinder entscheiden sich nicht bewusst dafür, parentifiziert zu werden.
Sie passen sich an ein familiäres System an, um Zugehörigkeit, Sicherheit und Beziehung aufrechtzuerhalten.
Mögliche Hintergründe können sein:
- eine psychische oder körperliche Erkrankung eines Elternteils,
- eine Suchterkrankung,
- Trennung oder dauerhafte Konflikte der Eltern,
- finanzielle oder existenzielle Belastungen,
- emotionale Unreife eines Elternteils,
- der Verlust einer wichtigen Bezugsperson,
- Gewalt oder seelischer Missbrauch,
- eine chronisch überforderte familiäre Situation.
Das Kind lernt dabei möglicherweise:
- Wenn ich funktioniere, bleibt alles stabil.
- Wenn ich mich kümmere, werde ich gebraucht.
- Wenn ich keine Probleme mache, belaste ich niemanden.
- Meine Bedürfnisse müssen warten.
Diese Überzeugungen waren ursprünglich keine Schwäche.
Sie waren ein Versuch, in einer überfordernden Situation zurechtzukommen.
Wenn das verantwortliche Kind erwachsen wird.
Mit dem Ende der Kindheit verschwinden diese erlernten Muster nicht automatisch.
Viele betroffene Erwachsene gelten als besonders hilfsbereit, zuverlässig und belastbar.
Sie können Stimmungen sehr fein wahrnehmen, reagieren früh auf mögliche Konflikte
und behalten auch in schwierigen Situationen den Überblick.
Das sind reale Fähigkeiten. Gleichzeitig können sie einen hohen Preis haben.
Mögliche Folgen im Erwachsenenleben sind:
- Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen,
- ein übermäßiges Verantwortungsgefühl,
- starke Schuldgefühle beim Setzen von Grenzen,
- das Gefühl, immer funktionieren zu müssen,
- Probleme, Hilfe anzunehmen,
- Angst, andere zu enttäuschen,
- chronische innere Anspannung oder Erschöpfung,
- ein hoher Anspruch an sich selbst,
- Beziehungen, in denen erneut die versorgende Rolle übernommen wird,
- das Gefühl, nur dann wertvoll zu sein, wenn man gebraucht wird.
Betroffene fragen sich häufig nicht: „Was brauche ich?“
Ihre erste Frage lautet vielmehr: „Was brauchen die anderen von mir?“
Die unsichtbare Stärke hinter dem Muster:
Parentifizierung führt nicht zwangsläufig zu einer psychischen Erkrankung. Auch sind nicht alle Folgen ausschließlich negativ.
Menschen, die früh Verantwortung übernehmen mussten, entwickeln häufig ein hohes Maß an,
Einfühlungsvermögen, Selbstständigkeit, Organisationstalent und sozialer Sensibilität.
Manche erleben ihre Fürsorglichkeit sogar als wichtigen Teil ihrer Persönlichkeit.
Problematisch wird es, wenn aus einer Fähigkeit ein innerer Zwang entsteht.
Du bist fürsorglich – aber darfst du auch einmal nicht helfen?
Du bist belastbar – aber darfst du Schwäche zeigen?
Du erkennst die Bedürfnisse anderer – aber kennst du deine eigenen?
Du kannst Verantwortung übernehmen – aber kannst du sie auch dort lassen, wo sie hingehört?
Nicht die Fähigkeit zur Verantwortung muss abgelegt werden.
Es geht darum, wieder eine Wahl zu bekommen.
Warum Grenzen sich wie Schuld anfühlen können.
Für einen parentifizierten Menschen kann eine Grenze mehr bedeuten als ein einfaches Nein.
Sie kann sich innerlich anfühlen wie:
- „Ich lasse jemanden im Stich.“
- „Ich bin egoistisch.“
- „Wenn ich mich nicht kümmere, passiert etwas.“
- „Ich bin nicht mehr liebenswert, wenn ich nicht funktioniere.“
Deshalb reicht es häufig nicht aus, einem Menschen lediglich zu sagen, er müsse besser auf sich achten oder häufiger Nein sagen.
Der Verstand kann längst wissen, dass eine Grenze berechtigt ist.
Das innere Erleben verbindet sie trotzdem mit Gefahr, Schuld oder dem möglichen Verlust einer Beziehung.
Veränderung beginnt deshalb nicht mit Selbstverurteilung.
Sie beginnt mit dem Verständnis dafür, warum dieses Muster einmal notwendig war.
25. Aug 2026
Wenn Kinder zu früh erwachsen werden: Parentifizierung und ihre Folgen Teil 1/3
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw Behandlung.
„Ich war schon als Kind für alles verantwortlich.“
Vielleicht kennst du dieses Gefühl:
Du bemerkst sofort, wenn es einem anderen Menschen nicht gut geht.
Du versuchst, Konflikte zu vermeiden,
hältst die Familie zusammen und fühlst dich schuldig,
sobald du einmal nur an dich denkst.
Nach außen wirkst du selbstständig, belastbar und fürsorglich.
Doch innerlich bist du häufig erschöpft.
Du übernimmst Verantwortung, noch bevor dich jemand darum bittet – und manchmal sogar für Dinge, die überhaupt nicht in deiner Verantwortung liegen.
Die Ursache dafür kann in einer frühen Rollenumkehr innerhalb der Familie liegen.
In der Psychologie wird dieses Phänomen als Parentifizierung bezeichnet.
Was bedeutet Parentifizierung?
Parentifizierung beschreibt eine familiäre Dynamik, in der ein Kind dauerhaft Aufgaben oder Verantwortung übernimmt, die eigentlich bei den Eltern oder anderen erwachsenen Bezugspersonen liegen sollten.
Das Kind wird nicht mehr nur altersgerecht in den Familienalltag einbezogen.
Es übernimmt vielmehr eine tragende Rolle im familiären System.
Es kümmert sich, vermittelt, tröstet, organisiert oder versucht, die emotionale Stabilität eines Elternteils aufrechtzuerhalten.
Die Bedürfnisse des Kindes treten dabei zunehmend in den Hintergrund.
Das Kind wird gewissermaßen zum kleinen Erwachsenen – lange bevor es die emotionale Reife und die inneren Möglichkeiten dafür besitzt.
Verantwortung ist nicht automatisch Parentifizierung.
Nicht jede Mithilfe im Haushalt und nicht jede zeitweise Übernahme von Verantwortung ist problematisch.
Kinder können davon profitieren, ihrem Alter entsprechend Aufgaben zu übernehmen.
Sie lernen dadurch Selbstständigkeit, Verlässlichkeit und das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zur Gemeinschaft leisten zu können.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, ob ein Kind Verantwortung übernimmt.
Entscheidend ist:
- Passt die Aufgabe zu seinem Alter?
- Bleiben die Eltern grundsätzlich verantwortlich?
- Wird das Kind unterstützt und emotional wahrgenommen?
- Darf es Fehler machen, schwach sein und selbst Hilfe benötigen?
- Oder hängt die Stabilität der Familie dauerhaft von seinem Verhalten ab?
Parentifizierung beginnt dort, wo die Verantwortung das Kind überfordert, seine eigenen Bedürfnisse verdrängt und die Rollen innerhalb der Familie dauerhaft vertauscht werden.
Die zwei Formen der Parentifizierung
Grundsätzlich wird zwischen instrumenteller und emotionaler Parentifizierung unterschieden.
Instrumentelle Parentifizierung:
Bei der instrumentellen Parentifizierung übernimmt das Kind praktische Aufgaben, die in Umfang oder Bedeutung nicht seinem Alter entsprechen.
Es führt beispielsweise weitgehend den Haushalt, kümmert sich regelmäßig um jüngere Geschwister, organisiert Termine, regelt finanzielle Angelegenheiten oder übernimmt die Versorgung eines kranken Elternteils.
Nicht die einzelne Aufgabe ist entscheidend, sondern die dauerhafte Verantwortung. Das Kind hilft nicht nur mit – es wird gebraucht, damit der Alltag überhaupt funktioniert.
Emotionale Parentifizierung:
Die emotionale Parentifizierung ist häufig schwerer zu erkennen.
Das Kind wird zur wichtigsten Vertrauensperson eines Elternteils. Es hört sich dessen Sorgen an, tröstet bei Beziehungskrisen, vermittelt zwischen den Eltern oder versucht, emotionale Zusammenbrüche zu verhindern.
Manchmal hört es Sätze wie:
„Du bist der Einzige, der mich versteht.“
„Ohne dich wüsste ich nicht, was ich machen sollte.“
„Du musst jetzt stark sein.“
Was zunächst wie eine besonders enge Beziehung aussehen kann, ist für ein Kind eine enorme Belastung.
Es erhält einen emotionalen Auftrag, den es weder erfüllen noch ablehnen kann, ohne Angst vor Schuld, Ablehnung oder dem Zusammenbruch der Familie zu entwickeln.
23. Jul 2026
Das Impostor-Syndrom: Wenn Erfolg sich nicht echt anfühlt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw Behandlung.
Du hast den Job bekommen, auf den du hingearbeitet hast.
Das Projekt ist gelungen. Die Rückmeldungen sind gut.
Du hast eine schwere Prüfung überdurchschnittlich gut bestanden.
Und trotzdem meldet sich diese leise Stimme in dir: "Das war Glück." "Die haben sich in mir getäuscht." "Irgendwann fliegt es auf, dass ich das eigentlich gar nicht kann."
Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein – und du bist auch nicht das Problem. Was du erlebst, hat einen Namen:
Das Impostor-Syndrom, auch Hochstapler-Syndrom genannt.
Was steckt dahinter?
Das Impostor-Syndrom beschreibt das Gefühl, die eigenen Erfolge nicht wirklich verdient zu haben – obwohl die Fakten das Gegenteil zeigen. Menschen, die davon betroffen sind, führen ihre Leistungen eher auf Zufall, Glück oder gutes Timing zurück als auf eigene Fähigkeiten. Gleichzeitig lebt im Inneren die ständige Angst, irgendwann als "Hochstapler" entlarvt zu werden.
Das Phänomen wurde erstmals 1978 von den Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes beschrieben. Ursprünglich bei besonders erfolgreichen Frauen untersucht, wissen wir heute: Es betrifft Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter oder Beruf. Besonders häufig zeigt es sich bei Menschen in neuen Rollen, in fordernden Berufen oder bei denjenigen, die nach außen "alles im Griff" zu haben scheinen.
Wie sich das Impostor-Syndrom zeigt
Vielleicht erkennst du dich in einem oder mehreren dieser Punkte wieder:
- Erfolge werden kleingeredet: "Das hätte jeder geschafft", "Ich hatte einfach Glück".
- Ständige Angst vor Entlarvung: die Sorge, dass andere irgendwann merken, dass man nicht so kompetent ist, wie es scheint.
- Perfektionismus als Schutzschild: kein Fehler darf passieren, sonst fliegt "die Tarnung" auf.
- Lob wird schwer angenommen – Anerkennung fühlt sich unangenehm oder unberechtigt an
- Ständiger Vergleich: das Gefühl, weniger fähig zu sein als andere im gleichen Umfeld
Gerade Menschen, die nach außen erfolgreich und geordnet wirken, tragen dieses Gefühl oft ganz allein und im Verborgenen mit sich herum. Genau das macht es so kräftezehrend.
Warum das keine Schwäche ist
Ein wichtiger Punkt vorweg: Das Impostor-Syndrom ist keine klinische Diagnose und schon gar keine Charakterschwäche.
Es ist ein Muster – ein Denk- und Gefühlsmuster, das oft dort entsteht, wo hohe Ansprüche an sich selbst auf tief verwurzelte Selbstzweifel treffen. Häufig reicht dieses Muster weit zurück: in Prägungen, Erfahrungen oder Erwartungen, die uns schon lange begleiten, ohne dass wir sie bewusst wahrnehmen.
Genau deshalb hilft es selten, sich nur "mehr Selbstbewusstsein" vorzunehmen. Es lohnt sich, tiefer zu schauen.
Erste Schritte aus dem Muster heraus:
1. Erfolge bewusst festhalten. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Mittel: Schreibe dir regelmäßig auf, was dir gelungen ist – und warum. Nicht um dich zu rechtfertigen, sondern um dir selbst wieder ein realistisches Bild zu geben.
2. Darüber sprechen. Viele Menschen, die dieses Gefühl kennen, sind überrascht, wie oft andere – auch scheinbar souveräne Kolleg:innen oder Vorgesetzte – dasselbe empfinden. Das nimmt dem Gefühl seine Isolation.
3. Den inneren Kritiker hinterfragen. Nicht jeder Gedanke, der in deinem Kopf auftaucht, ist wahr. Zu lernen, zwischen der inneren Stimme und der Realität zu unterscheiden, ist ein Prozess – aber ein sehr befreiender.
4. Perfektionismus überprüfen. Woher kommt der Anspruch, keine Fehler machen zu dürfen? Diese Frage führt oft zu den eigentlichen Wurzeln des Musters.
Verstehe, was dich geprägt hat
Das Impostor-Syndrom verschwindet selten von allein, weil es meist nicht nur um die Gegenwart geht, sondern um Erfahrungen und Prägungen, die tiefer liegen. Wer verstehen möchte, was diese Selbstzweifel eigentlich nährt, wer stärken möchte, was ihn tatsächlich trägt, und wer bewusst gestalten möchte, wie er sich selbst künftig begegnet, findet darin oft den nachhaltigeren Weg als reine Tipps und Tricks.
Wenn du das Gefühl hast, dass dieses Thema dich seit Langem begleitet, und du dir professionelle Unterstützung wünschst, um es wirklich an der Wurzel anzugehen, begleite ich dich gerne auf diesem Weg.
Wahrnehmen - Verstehen - Annehmen - Gestalten
14. Jul 2026
Wenn ein Mensch explodiert: Was hinter plötzlichen Wutausbrüchen steckt
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw Behandlung.
Es passiert oft wie aus dem Nichts:
Ein Kollege knallt die Tür, eine Partnerin schreit wegen einer Kleinigkeit, ein sonst ruhiger Mensch verliert im Stau völlig die Fassung.
Von außen wirkt es unverhältnismäßig – "warum reagiert er so heftig wegen so einer Nichtigkeit?" Doch psychische Explosionen entstehen selten im Moment selbst.
Man kann sich das wie bei Sprengstoff vorstellen: Dieser wird nicht durch den Zünder gefährlich, sondern durch den Druck, der sich in ihm längst aufgebaut hat.
Der Zünder selbst ist nur der letzte, oft winzige Impuls, der die bereits vorhandene Spannung entlädt.
Genauso verhält es sich bei psychischen Ausbrüchen:
Der eigentliche Auslöser – ein falsches Wort, eine Kleinigkeit – ist selten die Ursache. Er ist lediglich der Zünder für einen Druck, der sich still und lange vorher aufgebaut hat.
Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt
In der Psychologie spricht man hier oft vom Kumulationseffekt: Kleine Belastungen, Frustrationen und ungelöste Konflikte summieren sich über Tage, Wochen oder Monate. Jede einzelne wäre für sich genommen zu bewältigen. Doch weil sie nicht verarbeitet, sondern verdrängt oder heruntergeschluckt werden, sammelt sich innerer Druck an. Der eigentliche Auslöser – eine vergessene Kleinigkeit, ein falsches Wort – ist dann nicht die Ursache des Ausbruchs, sondern nur der letzte Tropfen in einem längst vollen Fass.
Das erklärt, warum die Reaktion oft in keinem Verhältnis zum Anlass zu stehen scheint: Sie richtet sich nicht gegen das Ereignis selbst, sondern gegen die gesamte aufgestaute Anspannung dahinter.
Was im Körper passiert.
Ein Wutausbruch ist auch eine körperliche Reaktion.
Bei anhaltendem Stress bleibt das autonome Nervensystem in einer Art Daueralarm – der Sympathikus ist chronisch aktiviert, Cortisol- und Adrenalinspiegel bleiben erhöht.
Der Körper befindet sich im "Kampf-oder-Flucht"-Modus, ohne dass es zur Entladung kommt. Kommt dann ein weiterer, auch kleiner Reiz hinzu, kann das limbische System – insbesondere die Amygdala – schneller reagieren als der präfrontale Cortex, der normalerweise für Impulskontrolle und rationale Einordnung zuständig ist.
Man handelt, bevor man nachdenkt. Genau das macht solche Momente so überwältigend, auch für die betroffene Person selbst.
Warnzeichen, die oft übersehen werden.
Bevor es zur "Explosion" kommt, gibt es meist Vorboten, die im Alltag leicht untergehen:
Anhaltende Reizbarkeit auch bei Kleinigkeiten, Schlafprobleme oder ständige Erschöpfung, das Gefühl, ständig "auf der Hut" zu sein, sozialer Rückzug oder umgekehrt ungewöhnliche Rastlosigkeit, sowie körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen ohne erkennbare Ursache. Wer diese Signale bei sich oder anderen bemerkt, sieht oft schon den Druck, der sich aufbaut – lange bevor er sich entlädt.
Was hilft – vorher und nachher.
Prävention setzt genau an diesem Aufbau an.
Wichtig ist, Anspannung regelmäßig abzubauen, statt sie anzustauen: Bewegung, Gespräche, kreative Ventile oder einfach bewusste Pausen wirken wie ein Überdruckventil. Auch das frühzeitige Ansprechen von Ärger oder Frustration – statt sie "runterzuschlucken" – verhindert, dass sich Groll aufbaut.
Ist der Ausbruch bereits passiert, hilft es, ihn nicht nur als peinlichen Kontrollverlust abzutun, sondern als Signal zu verstehen: Was hat sich hier über welchen Zeitraum aufgestaut? Ein ehrliches Gespräch danach – mit sich selbst oder den Betroffenen – kann helfen, die eigentlichen Ursachen zu erkennen statt nur den Auslöser zu bekämpfen.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Gelegentliche Wutausbrüche unter Dauerstress sind menschlich. Anders sieht es aus, wenn sie sich häufen, Beziehungen oder die Arbeit belasten, mit Kontrollverlust über das eigene Handeln einhergehen oder von anhaltender emotionaler Erschöpfung begleitet werden. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, sich professionelle, psychologische Unterstützung zu suchen.
Auch Stressbewältigungs- oder Achtsamkeitstrainings können helfen, die eigene Anspannung frühzeitig wahrzunehmen, bevor sie sich unkontrolliert entlädt.
Diese Erfahrungen sind behandelbar, und niemand muss sie allein durchstehen.
Schreib mich gerne an.
12. Jul 2026
Wenn die Seele auf Abstand geht: Ein Überblick über Dissoziation.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw Behandlung.
Kennst du das Gefühl, während einer langen Autofahrt plötzlich zu bemerken, dass du die letzten Kilometer gar nicht bewusst wahrgenommen hast?
Oder den Moment, in dem sich die eigene Umgebung für ein paar Sekunden seltsam fern und unwirklich anfühlt?
Diese Erfahrungen sind harmlose Beispiele für ein psychologisches Phänomen, das in ausgeprägterer Form erhebliches Leid verursachen kann: Dissoziation.
Aber was ist das eigentlich, Dissoziation?
Dissoziation bezeichnet eine Unterbrechung der normalerweise miteinander verbundenen Funktionen von
- Bewusstsein
- Gedächtnis
- Identität
- Wahrnehmung
- Körperempfinden.
Vereinfacht gesagt: Prozesse, die im Kopf normalerweise nahtlos zusammenspielen, werden voneinander abgekoppelt. Das Gehirn schaltet quasi einen Gang runter oder trennt bestimmte Informationsstränge voneinander, oft ohne dass die betroffene Person das bewusst steuern kann.
Leichte Formen davon kennt praktisch jeder Mensch.
Erst wenn Dissoziation häufiger, intensiver oder unkontrollierbar auftritt und den Alltag beeinträchtigt, wird sie klinisch relevant.
Die wichtigsten Erscheinungsformen.
Depersonalisation:
Sie beschreibt das Gefühl, von sich selbst entfremdet zu sein, als würde man sich selbst von außen beobachten oder neben sich stehen.
Derealisation:
Sie bezeichnet das Gegenstück dazu: Die Umgebung wirkt plötzlich unwirklich, verzerrt oder wie durch eine Glasscheibe oder einen Nebel wahrgenommen.
Dissoziative Amnesie:
Sie zeigt sich als Gedächtnislücken für belastende Ereignisse, die sich nicht durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklären lassen.
Dissoziative Identitätsstörung (DIS), früher als "multiple Persönlichkeitsstörung" bekannt, ist die schwerste Form. Hier entwickeln Betroffene mehrere, klar voneinander abgegrenzte Identitätszustände.
Woher kommt das?
Dissoziation entsteht häufig als eine Art Schutzmechanismus der Psyche gegenüber überwältigendem Stress oder Trauma.
Wenn eine Situation zu bedrohlich oder schmerzhaft ist, um sie voll bewusst zu verarbeiten, "koppelt" das Gehirn ab, um das Unerträgliche erträglicher zu machen. Besonders häufig ist das bei Traumatisierungen in der Kindheit zu beobachten.
Aber auch ohne akutes Trauma kann Dissoziation auftreten, etwa im Zusammenhang mit Angststörungen, Depressionen, der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder schlicht nach starkem Schlafmangel und Erschöpfung.
Was hilft, bzw. kann helfen?
Der wirksamste Ansatz ist traumafokussierte Psychotherapie, etwa EMDR oder traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie.
Ein zentraler erster Schritt ist dabei oft die Stabilisierung:
Betroffene lernen sogenannte Erdungstechniken (Grounding), um sich bei dissoziativen Episoden wieder im Hier und Jetzt zu verankern, etwa über bewusstes Spüren der eigenen Füße auf dem Boden oder das gezielte Wahrnehmen von Farben und Geräuschen im Raum.
Ein Wort zum Schluss.
Dissoziation ist kein Zeichen von Schwäche, sondern in vielen Fällen ein cleverer, wenn auch unbequemer Überlebensmechanismus der Psyche.
Wer regelmäßig dissoziative Zustände erlebt und darunter leidet, sollte sich nicht scheuen, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Diese Erfahrungen sind behandelbar, und niemand muss sie allein durchstehen.
Schreib mich gerne an.
07. Jul 2026
Wer macht was? Ein Überblick über die verschiedenen psychologischen Berufe.
Psychiater, Psychologe, Psychotherapeut, Heilpraktiker für Psychotherapie, Coach.
Viele Begriffe, ein Fachgebiet, war macht was?
Alles gleich oder doch alles anders?
Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, ist dieser Beitrag gedacht.
Er soll klären, wer welche Kompetenzen und auch Befugnisse hat.
Wo die Möglichkeiten und Grenzen der einzelnen Fachbereiche liegen, auch im im Rechtlichen Bereich.
Es geht weder um Bewertung, noch darum eine Rangliste zu erstellen.
Auch möchte ich an dieser Stelle ganz klar hervorheben, dass ein Titel oder akademischer Grad, wenig bis gar nichts, über die Qualität der Arbeit des Einzelnen aussagt.
Es wird immer gute oder weniger gute Arbeit geben. So wie in jedem Berufsfeld.
Der wohl gängigste Begriff ist: der Psychiater
Der Psychiater ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Er hat ein abgeschlossenes Medizinstudium, mit ärztliche Approbation und zusätzlich eine mehrjährige Facharztweiterbildung.
Das erlaubt ihm, psychische Erkrankungen ärztlich zu behandeln. Unter anderem mit Diagnostik, Indikationsstellung, Verlaufskontrollen, Aufklärung und psychopharmakologische Behandlung.
Psychiater dürfen Psychopharmaka verschreiben.
Psychiater könnten auch psychotherapeutisch arbeiten, wenn sie entsprechend weitergebildet sind.
Da es sich hierbei jedoch um ein anderes Behandlungsformat, mit einem anderem Schwerpunkt handelt, sind die Gespräche meist kürzer als in einer klassischen Therapiesitzung. Das hat jedoch überhaupt nichts mit der Wertigkeit zu tun.
Der Psychologe:
Der Psychologe hat Psychologie studiert.
Dementsprechend hat er zunächst einmal eine wissenschaftliche Qualifikation.
Das Psychologiestudium allein berechtigt nicht dazu, psychische Erkrankungen heilkundlich zu behandeln, Psychotherapie unter geschützter Berufsbezeichnung auszuüben oder Psychotherapie mit gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen.
Dafür können studierte Psychologen in sehr unterschiedlichen Bereichen arbeiten, z.B.: in Forschung, Unternehmen, Beratung, Kliniken, Justiz, Schule, Personalentwicklung oder Diagnostik.
Für die heilkundliche Behandlung psychischer Erkrankungen braucht es jedoch eine eigene rechtliche Befugnis. Diese muss zusätzlich erworben werden.
Der Psychotherapeut:
Psychologische Psychotherapeuten haben nach dem klassischen Ausbildungsweg Psychologie studiert und anschließend eine mehrjährige psychotherapeutische Ausbildung abgeschlossen.
Am Ende steht die Approbation nach bestandener staatlicher Prüfung.
Psychotherapeut ist eine gesetzlich geregelte Berufsbezeichnung. Wer Psychotherapie unter der Berufsbezeichnung Psychotherapeutin oder Psychotherapeut ausüben will, benötigt dafür auf jeden Fall eine Approbation oder eine entsprechende gesetzliche Befugnis.
Psychotherapeuten und behandeln psychische Erkrankungen mit Psychotherapie.
Eine psychotherapeutische Sitzung dauert häufig 50 Minuten.
Sie sind Fachärzten gleichgestellt, sind aber keine Mediziner und dürfen dementsprechend keine Medikamente verschreiben.
Heilpraktiker für Psychotherapie:
Ein Heilpraktiker für Psychotherapie hat keinen Studiengang und verfügt dementsprechend über keine Approbation als Psychotherapeut.
Voraussetzung ist eine beschränkte Heilpraktikererlaubnis auf das Gebiet der Psychotherapie, nach dem Heilpraktikergesetz.
Diese Erlaubnis gestattet es dem Heilpraktiker für Psychotherapie heilkundlich im Bereich Psychotherapie tätig zu sein.
Er darf darüber hinaus nicht mit Krankenkassen abrechnen.
Eine Heilpraktikererlaubnis ist nicht dasselbe wie eine Approbation als Psychotherapeut.
Sie ist auch nicht dasselbe wie ein Medizinstudium, eine Facharztweiterbildung oder ein Psychologiestudium.
Grundsätzlich sagt das nichts darüber aus, ob ein einzelner Mensch sorgfältig, erfahren oder zielführend arbeitet. Es geht hierbei zunächst um den rechtlichen Rahmen und den Umfang der Befugnisse.
Der Coach
Es gib zur Zeit sehr viele gute und motivierte Coaches, die eine sehr hohe Expertise und sehr gute Ausbildungen mitbringen.
Ein Coaching kann hilfreich und sinnvoll sein, etwa bei beruflichen Entscheidungen, Kommunikation, Führung, Rollenklärung, Leistungsentwicklung oder persönlichen Veränderungsprozessen ohne Krankheitswert.
Wichtig hierbei!
Ein Coach darf ohne entsprechende heilkundliche Befugnis keine psychischen Erkrankungen heilkundlich behandeln und keine Psychotherapie durchführen. Er darf aber Richtungen zeigen und Hinweise geben. Ein guter Coach kennt hier seine Grenzen und wird diese auch einhalten.
Ein Problem für den Bereich Coaching ist, das der Begriff Coach nicht rechtlich/gesetzlich geschützt ist.
Das heißt:
Der Titel setzt keine abgeschlossene Ausbildung und kein Studium voraus. Im Grunde nicht mal einen Schulabschluss. Er enthält auch keine Approbation und keine Heilkundeerlaubnis.
Ein Coach darf ohne heilkundliche Befugnis keine psychischen Erkrankungen behandeln und auch keine Psychotherapie durchführen.
Das war eine kleine Beschreibung dieses sehr komplexen Feldes, welches durch vielUnsicherheit und und falsche Aussagen bedient wird.
Schlussendlich steht über allem die Frage:
Was benötige ich?
Beratung, (neue)Orientierung, berufliche (Weiter)Entwicklung oder persönliche Reflexion . Dafür können Coaching oder psychologische Beratung passende Angebote sein.
Geht es um ein Lebensproblem, ein berufliches Thema, eine persönliche Entwicklung oder um eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung?
Und am Ende die Frage: Wer übernimmt die Kosten?
All das sollte kein Hindernis sein, um sich passende und adäquate Hilfe zu suchen.
26. Jun 2026
Endokrine Wirkung von Parfüm
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung.
Bei der Hitze dieser Tage, kommt wieder vermehrt Parfüm zum Einsatz.
Ich möchte an dieser Stelle auf eine Gefahr hinweisen, die vielen vielleicht gar nicht bewusst ist.
Parfüm kann endokrine Disruptoren (Inhaltsstoffe) enthalten, die das Hormonsystem im Körper stören und gesundheitliche Auswirkungen haben können. Diese Substanzen werden über die Haut aufgenommen und können die natürliche Funktion von Hormonen beeinträchtigen und möglicherweise zu gesundheitlichen Problemen führen.
Gerade der Bereich des Halses ist eine Region, die besonders gefährdet ist.
Warum?
Im vorderen Teil des Halses sitzt die Schilddrüse. Hier ist auch die Haut sehr dünn.
Das kleine schmetterlingsförmige Organ ist ein wichtiger hormoneller Schrittmacher im menschlichen Körper.
In der Schilddrüse werden aus Jod und anderen Substanzen die Schilddrüsenhormone gebildet. Diese Botenstoffe sind Bestandteile eines hormonellen Regelkreises und steuern als solche fast alle wichtigen Körperfunktionen.
Sie wirken auf Herz und Kreislauf, erweitern die Blutgefäße, beschleunigen den Herzschlag und regeln den Blutdruck. Sie aktivieren aber auch den Fett- und Bindegewebsstoffwechsel, die Schweiß- und Talgdrüsen der Haut und die Nieren- und Darmtätigkeit.
Außerdem sind die Schilddrüsenhormone wesentlich für viele Wachstumsprozesse verantwortlich und steigern den Grundumsatz und Energieverbrauch des gesamten Organismus.
Schilddrüsenhormone wirken vor allem auf…
- Herzaktivität und Blutdruck
- Energiestoffwechsel, Körpergewicht
- Kohlehydratstoffwechsel, Insulinproduktion
- Fett- und Eiweißstoffwechsel, Cholesterinwerte
- Gehirnaktivität, Psyche
- Muskelstoffwechsel, Muskelkraft
- Darmtätigkeit, Verdauung
- Wachstum und Reifung von Ungeborenen im Mutterleib und von Kindern.
Die endokrine Disruptoren der Parfüms durchbrechen die natürliche Barriere der Haut und wirken unmittelbar auf den Hormonhaushalt.
Zwei der Stoffe sind unter anderem:
- Phthalate: Diese Weichmacher werden häufig verwendet, um Düfte länger haltbar zu machen.
- Synthetische Moschusstoffe: Diese können selbst hormonelle Wirkungen haben.
Diese Substanzen können die natürliche Funktion von Hormonen beeinträchtigen und möglicherweise zu gesundheitlichen Problemen führen.
Unter anderem führen sie zu:
- Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit
- Erhöhtes Risiko für hormonabhängige Krebsarten
- Störungen in der Entwicklung und im Wachstum von Kindern.
Wir reden von einem kausalen Zusammenhang.
Jeder muss für sich entscheiden, ob der Preis für „gut riechen“ gerechtfertigt ist.
Quellen:
SCHILDDRÜSENZENTRUM
KÖLN, AOK, AIMÉE DE MARS
17. Jun 2026
Sensorische Deprivation und mögliche Traumatisierung.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Feuerwehr/ Rettungsdienstleitstelle, haben nicht die gesamte Bandbreite ihrer sensorischen Fähigkeiten für die Ausübung ihrer Tätigkeit zur Verfügung.
Man kann von einer sensorischen Deprivation sprechen, oder auch Außenreizentzug.
Zur Disponierung eines Einsatzes fehlt:
- das Sehen
- das Riechen
- das Fühlen
- das Tasten
- ggf. das Schmecken
- und auch das Hören ist stark eingeschrenkt.
Das bedeutet, der Disponentin/ dem Disponenten, stehen lediglich ca. 5% der ureignen Sinne und Reizaufnahmemöglichkeiten zur
Verfügung.
Mit dieser Voraussetzung, muss die Disponentin/ der Disponent, anhand von zum Teil spärlichen Informationen des Anrufers, ein Lagebild kreieren und die dementsprechenden Maßnahmen einleiten, das heißt auch die geeigneten Rettungsmittel alarmieren.
Bei aller Routine erzeugt das einen immensen Druck und Stress.
Zusätzlich dazu stehen in einer Leitstelle etwa alle 3,5 Sekunden irgendwelche Tätigkeiten an. Von Notrufen, über Türen oder Tore die zu öffnen sind, über Auskünfte, Alarmmeldungen, Brandmeldeanlagen, Funksprüche, Koordinierungen, und etliche anderen Dingen, die die ganze Aufmerksamkeit erfordern.
Über dem Ganzen, steht eine sehr stringente Gesetzeslage mit Alarm und Ausrückezeiten, maximalen Dispositionszeiten usw.
All dies ist eine Gemengelage, die auf Dauer, ein unglaubliches Belastungspotential in sich trägt.
Das bildet grundsätzlich erst einmal das „normale“ Dienstgeschehen ab.
Dabei ist noch nicht der suizidale Anrufer benannt, der am Telefon mitteilt, dass er sich in diesem Moment das Leben nehmen möchte.
Oder die am Telefon angeleitete Herz/Lungen/Wiederbelebung.
Das Schreien von hilflosen und/oder verzweifelten Anrufern.
Das Diskutieren mit Anrufern, wenn die Disponentin/ der Disponent den „Wünschen“ nicht nachkommt.
Das "sich beleidigen lassen müssen"…..
Mit jedem Anrufer entstehen vor dem geistigen Auge Bilder. Bilder aus selbsterlebten Einsätzen. Oder aus Szenen die sich das Gehirn ausdenkt und zusammen setzt.
Jeder neue Anruf ist ein Einsatz der immer wieder neu „erlebt“ wird.
Es müssen nicht immer die gewaltigen Eindrücke einer Einsatzstelle sein, die nachhaltig wirken.
Es beginnt mit dem Annehmen eines Notrufes.
Wenn du das Gefühl hast, mit jemandem reden zu wollen, oder aber dass es da Dinge gibt, die dich nicht loslassen schreib mich an..
(Der Hintergrund des Fotos ist aus Datenschutz und Sicherheitsgründen nachbearbeitet.)
15. Jun 2026
Resilienz – Die innere Stärke, die uns durch Krisen trägt Teil 3/3
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung
Kann Resilienz erlernt werden?
Die gute Nachricht lautet: Ja.
Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft, die man entweder besitzt oder nicht besitzt.
Sie kann im Laufe des Lebens entwickelt und gestärkt werden.
Bereits kleine Veränderungen im Alltag können dazu beitragen, die eigene psychische Widerstandskraft zu fördern:
- Achtsamkeit praktizieren
Achtsamkeitsübungen helfen dabei, Stress frühzeitig wahrzunehmen und bewusster mit belastenden Gedanken umzugehen.
- eigene Stärken bewusst wahrnehmen
Viele Menschen konzentrieren sich stärker auf ihre Schwächen als auf ihre Fähigkeiten. Ein bewusster Blick auf bereits gemeisterte Herausforderungen stärkt das Vertrauen in die eigene Kompetenz.
- gesunde Grenzen setzen
Wer ständig die Bedürfnisse anderer über die eigenen stellt, riskiert langfristig Überlastung. Klare Grenzen fördern die psychische Gesundheit.
- soziale Kontakte pflegen
Ein stabiles soziales Netzwerk gehört zu den wichtigsten Schutzfaktoren für die psychische Widerstandskraft.
- regelmäßige Erholung einplanen
Ausreichender Schlaf, Bewegung und eine gesunde Lebensweise wirken sich direkt auf die psychische Belastbarkeit aus.
Körper und Psyche sind als Einheit zu betrachten.
- realistische Ziele formulieren
Sich selbst unter Druck zu setzten, oder eine zu große Erwartung, führen zu Frustration und rauben Energie
Jeder Schritt, der das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärkt, fördert gleichzeitig die Resilienz.
Fazit: Resilienz ist trainierbar!
Resilienz bedeutet nicht, unverwundbar zu sein. Sie beschreibt die Fähigkeit, mit den Herausforderungen des Lebens konstruktiv umzugehen und nach Rückschlägen wieder aufzustehen.
Jeder Mensch kann seine psychische Widerstandskraft stärken.
Mit den richtigen Strategien, einer bewussten Selbstfürsorge und gegebenenfalls professioneller Unterstützung, lassen sich Belastungen besser bewältigen und neue persönliche Stärken entwickeln.
Wann professionelle Unterstützung hilfreich sein kann.
Manchmal reichen die eigenen Bewältigungsstrategien nicht mehr aus.
Dauerhafter Stress, persönliche Krisen, Trennungen, Konflikte oder berufliche Belastungen können dazu führen, dass die innere Balance verloren geht.
Eine professionelle psychologische Beratung oder ein Coaching bietet die Möglichkeit, neue Perspektiven zu entwickeln, eigene Ressourcen wiederzuentdecken und individuelle Strategien zur Stärkung der Resilienz aufzubauen.
Deine psychische Widerstandskraft stärken – mit professioneller Begleitung
Du möchtest lernen, gelassener mit Stress umzugehen, Deine innere Stärke auszubauen oder aktuelle Herausforderungen besser zu bewältigen?
Bei Blickpunkt Mental unterstütze ich Dich dabei, Deine persönlichen Ressourcen zu aktivieren, neue Perspektiven zu entwickeln und Deine Resilienz nachhaltig zu stärken.
Vereinbare jetzt ein unverbindliches Erstgespräch und mach den ersten Schritt zu mehr innerer Stabilität, Gelassenheit und Lebensqualität.
15. Jun 2026
Resilienz – Die innere Stärke, die uns durch Krisen trägt Teil 2/3
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung.
Auch resiliente Menschen erleben ebenfalls schwierige Phasen.
Der Unterschied liegt jedoch darin, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen und welche inneren Ressourcen sie aktivieren können.
Psychologen beschreiben häufig sieben wesentliche Faktoren, die die Widerstandskraft stärken.
Die sieben Säulen der Resilienz:
1. Akzeptanz
Resiliente Menschen erkennen an, dass manche Situationen nicht sofort veränderbar sind. Statt gegen die Realität anzukämpfen, richten sie ihre Energie auf das, was tatsächlich beeinflusst werden kann.
2. Optimismus
Optimismus bedeutet nicht, Probleme zu ignorieren. Es geht vielmehr darum, auch in schwierigen Zeiten die Möglichkeit positiver Entwicklungen im Blick zu behalten.
3. Selbstwirksamkeit
Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärkt die Überzeugung, Herausforderungen aktiv bewältigen zu können.
4. Verantwortung übernehmen
Resiliente Menschen erkennen ihren eigenen Handlungsspielraum und übernehmen Verantwortung für ihre Entscheidungen.
5. Lösungsorientierung
Anstatt sich ausschließlich auf Probleme zu konzentrieren, suchen sie aktiv nach möglichen Lösungen und nächsten Schritten.
6. Netzwerkorientierung
Soziale Unterstützung ist ein wichtiger Schutzfaktor. Familie, Freunde oder professionelle Begleitung können dabei helfen, Belastungen besser zu bewältigen.
7. Zukunftsorientierung
Ein klarer Blick nach vorne und persönliche Ziele geben Halt und Motivation, auch schwierige Zeiten zu überstehen.
14. Jun 2026
Resilienz – Die innere Stärke, die uns durch Krisen trägt Teil 1/3
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung.
Warum psychische Widerstandskraft heute wichtiger ist denn je.
Beruflicher Druck, familiäre Herausforderungen, persönliche Krisen, harte und fordernden Einsätze,
oder unerwartete Veränderungen – das Leben stellt uns immer wieder vor Situationen, die unsere Kräfte fordern.
Während manche Menschen an Belastungen zu zerbrechen scheinen, gelingt es anderen, trotz schwieriger Umstände stabil zu bleiben und sogar gestärkt daraus hervorzugehen.
Diese Fähigkeit wird als Resilienz bezeichnet.
Sie beschreibt die psychische Widerstandskraft eines Menschen und die Fähigkeit, mit Stress, Krisen und Herausforderungen konstruktiv umzugehen.
Die gute Nachricht: Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft.
Sie lässt sich gezielt entwickeln und stärken.
Was ist Resilienz?
Der Begriff Resilienz stammt ursprünglich aus der Werkstoffkunde und beschreibt Materialien, die nach einer Belastung wieder in ihre ursprüngliche Form zurückkehren.
In der Psychologie bezeichnet Resilienz die Fähigkeit, sich nach belastenden Ereignissen zu erholen, an Herausforderungen zu wachsen und trotz Schwierigkeiten handlungsfähig zu bleiben.
Resiliente Menschen erleben ebenfalls Stress, Angst, Enttäuschungen oder Trauer.
Sie verfügen jedoch über Strategien und innere Ressourcen, die ihnen helfen, mit diesen Belastungen besser umzugehen.
Welche Vorteile hat eine starke Resilienz?
Menschen mit einer ausgeprägten psychischen Widerstandskraft profitieren häufig von:
- besserer Stressbewältigung
- höherer emotionaler Stabilität
- mehr Selbstvertrauen
- größerer Anpassungsfähigkeit bei Veränderungen
- besserer Problemlösungsfähigkeit
- höherer Lebenszufriedenheit
- geringerem Risiko für psychische Überlastung
Resilienz stärkt nicht nur die psychische Gesundheit, sondern wirkt sich auch positiv auf Beziehungen, Beruf und persönliche Entwicklung aus.
09. Jun 2026
Ängste und Angst verstehen, Teil 2/2
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung.
Wann wird Angst zum Problem?
Jeder Mensch erlebt Ängste. Entscheidend ist nicht, ob Angst vorhanden ist, sondern wie stark sie das Leben beeinflusst.
Anzeichen dafür, dass Ängste belastend geworden sind, können sein:
- Ständige Sorgen und Grübeln.
- Vermeidung bestimmter Situationen.
- Rückzug aus sozialen Kontakten.
- Konzentrationsprobleme.
- Anhaltende innere Unruhe.
- Schlafprobleme.
- Das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.
Was hilft bei Angst?
Der erste wichtige Schritt besteht darin, die Angst ernst zu nehmen, statt gegen sie anzukämpfen.
Hilfreich können sein:
- Verständnis für die eigenen Reaktionen entwickeln.
- Belastende Gedanken hinterfragen.
- Entspannungsverfahren erlernen.
- Regelmäßige Bewegung.
- Offene Gespräche mit vertrauten Menschen.
- Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen.
- Viele Menschen erleben bereits eine deutliche Entlastung, wenn sie ihre Ängste besser verstehen und neue Strategien im Umgang mit belastenden Situationen entwickeln.
Angst muss nicht dein Leben bestimmen!
Ängste sind kein Zeichen von Schwäche. Sie zeigen oft, dass ein Mensch über längere Zeit belastet war oder sich in einer herausfordernden Lebenssituation befindet.
Mit der richtigen Unterstützung können Ängste verstanden, eingeordnet und Schritt für Schritt reduziert werden. Ziel ist nicht, niemals wieder Angst zu haben, das wäre für mein Dafürhalten auch nicht gesund sondern den eigenen Handlungsspielraum zurückzugewinnen oder zu erweitern und wieder mehr Lebensqualität zu erleben.
Wenn du das Gefühl hast, dass Sorgen, Ängste oder ständiges Grübeln deinen Alltag belastet, musst du diesen Weg nicht alleine gehen.
In meiner psychologischen Beratung unterstütze ich dich dabei, die Ursachen deiner Ängste besser zu verstehen, neue Perspektiven zu entwickeln und individuelle Lösungswege für deinen Alltag zu finden.
Vereinbare gerne ein unverbindliches Erstgespräch. Gemeinsam schauen wir, welche Unterstützung für dich sinnvoll sein kann.
07. Jun 2026
Ängste und Angst verstehen, Teil 1/2
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung.
Angst ist menschlich – und wichtig!
Angst gehört zu den grundlegenden menschlichen Emotionen. Sie schützt uns vor Gefahren, hilft uns Risiken einzuschätzen und sorgt dafür, dass wir in kritischen Situationen aufmerksam bleiben. Ohne Angst würden wir viele Gefahren unterschätzen und uns selbst unnötig in Gefahr bringen.
Problematisch wird Angst jedoch dann, wenn sie dauerhaft vorhanden ist, obwohl keine reale Bedrohung besteht. Sie kann das Denken, Fühlen und Handeln erheblich beeinflussen und die Lebensqualität deutlich einschränken.
Was passiert bei Angst im Körper?
Angst ist eine natürliche Stressreaktion unseres Körpers. Sobald unser Gehirn eine mögliche Gefahr wahrnimmt, wird das sogenannte „Alarmprogramm“ aktiviert.
Typische körperliche Reaktionen sind:
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Schweißausbrüche
- Zittern
- Muskelanspannung
- Atembeschwerden
- Schwindelgefühle
- Magen-Darm-Beschwerden
- Schlafstörungen
Diese Reaktionen dienten ursprünglich dazu, uns auf Flucht oder Kampf vorzubereiten. In der heutigen Zeit werden sie jedoch häufig durch berufliche Belastungen, Konflikte, Zukunftssorgen oder belastende Lebenserfahrungen ausgelöst.
Viele Betroffene versuchen, ihre Angst zu verdrängen oder zu ignorieren. Häufig führt dies jedoch dazu, dass die Angst langfristig stärker wird.
Die häufigsten Ursachen von Ängsten.
Ängste entstehen selten durch einen einzigen Auslöser.
Meist spielen verschiedene Faktoren zusammen:
- Belastende Erfahrungen
- Negative Erlebnisse, Verluste, Mobbing oder traumatische Erfahrungen können Ängste begünstigen.
- Dauerstress, anhaltender beruflicher oder privater Stress kann das Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft versetzen.
- Perfektionismus, Menschen mit hohen Ansprüchen an sich selbst erleben häufig starke Versagens- oder Zukunftsängste.
- Veränderungen im Leben, Trennungen, berufliche Veränderungen, Krankheiten oder finanzielle Sorgen können Ängste verstärken.
- Erlernte Verhaltensmuster, manche Menschen haben bereits früh gelernt, die Welt als unsicher oder bedrohlich wahrzunehmen.
Jeder Mensch erlebt Ängste. Entscheidend ist nicht, ob Angst vorhanden ist, sondern wie stark sie das Leben beeinflusst.
02. Jun 2026
Wenn seelische Verletzungen tiefe Spuren hinterlassen. Teil 3/3 Heilung
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung.
Traumatische Erfahrungen betreffen nicht nur die Psyche, sondern auch das Nervensystem. Der Körper schaltet in einen Überlebensmodus:
- Kampf
- Flucht
- Erstarrung
Die Psychologie sieht mittlerweile noch einen vierten Modus:
- Anpassung (dazu folgt ein eigener Beitrag)
Bleibt dieser Zustand langfristig bestehen, kann dies zu dauerhafter innerer Anspannung führen. Viele Betroffene leiden zusätzlich unter:
- Depressionen
- Angststörungen
- psychosomatischen Beschwerden
- Suchterkrankungen
- Erschöpfung
Trauma ist nicht einfach „eine schlimme Erinnerung“, sondern oft eine tiefgreifende Belastung des gesamten Organismus.
Behandlungsmöglichkeiten:
Traumatische Erfahrungen können verarbeitet werden. Professionelle Unterstützung kann dabei helfen, Sicherheit zurückzugewinnen und belastende Symptome zu reduzieren.
Häufige therapeutische Ansätze:
- traumafokussierte Psychotherapie
- EMDR
- Verhaltenstherapie
- Stabilisierungstechniken
- Körpertherapie
- achtsamkeitsbasierte Verfahren
Wichtig ist dabei, dass Betroffene sich nicht unter Druck setzen. Traumaverarbeitung braucht Zeit, Sicherheit und einen geschützten Rahmen.
Warum Verständnis so wichtig ist.
Viele Menschen mit Traumafolgestörungen fühlen sich unverstanden oder „falsch“. Außenstehende erkennen die inneren Belastungen oft nicht, da Betroffene im Alltag häufig funktionieren.
Ein sensibles und wertschätzendes Umfeld kann einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung leisten. Trauma bedeutet nicht Schwäche – sondern zeigt, dass ein Mensch extreme Belastungen erlebt hat.
Fazit:
Psychische Traumata können das Leben eines Menschen tiefgreifend verändern. Die ICD-10 beschreibt verschiedene traumabezogene Störungen und macht deutlich, dass belastende Erfahrungen erhebliche Auswirkungen auf Psyche und Körper haben können.
Gleichzeitig gilt:
Traumafolgen sind behandelbar. Mit professioneller Unterstützung, Verständnis und geeigneten therapeutischen Ansätzen können Betroffene lernen, wieder Sicherheit, Stabilität und Lebensqualität zu entwickeln.
29. May 2026
Wenn seelische Verletzungen tiefe Spuren hinterlassen. Teil 2/3 PTBS
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung.
Trauma zeigt sich oft im Alltag
Traumafolgen sind nicht immer sofort erkennbar. Viele Menschen leiden jahrelang, ohne die Ursache ihrer Beschwerden zu verstehen.
Mögliche Auswirkungen:
- emotionale Überforderung
- Angstzustände
- depressive Verstimmungen
- Beziehungsprobleme
- starke Selbstzweifel
- Erschöpfung
- psychosomatische Beschwerden
- Rückzug oder innere Leere
Besonders frühe oder wiederholte Belastungen können das Selbstwertgefühl und das Sicherheitsgefühl nachhaltig beeinflussen.
Bleibt dieser Zustand dauerhaft bestehen, kann der Organismus Schwierigkeiten haben, wieder in einen Zustand von Ruhe und Sicherheit zurückzufinden. Viele Betroffene fühlen sich deshalb dauerhaft angespannt oder emotional erschöpft.
Ignoriert man diese Symptome, oder lässt diesen Zustand lange Zeit unbehandelt kann es im schlimmsten Fall zu einer Traumafolgestörung, der sogenannten
Post Traumatischen Belastung Störung (PTBS, ICD- 10: F43.1) kommen.
Typische Symptome können sein:
Wiedererleben des Ereignisses
Betroffene erleben die Situation innerlich immer wieder:
- Flashbacks
- Albträume
- belastende Erinnerungen
- intensive emotionale Reaktionen bei bestimmten Auslösern
Vermeidungsverhalten
Viele versuchen unbewusst alles zu meiden, was an das Trauma erinnert:
- Orte
- Gespräche
- Menschen
- Gefühle oder Gedanken
Dauerhafte innere Alarmbereitschaft
Das Nervensystem bleibt häufig in einem ständigen Spannungszustand:
- Schlafstörungen
- erhöhte Schreckhaftigkeit
- Reizbarkeit
- Konzentrationsprobleme
- innere Unruhe
25. May 2026
Wenn seelische Verletzungen tiefe Spuren hinterlassen. Teil 1/3 Trauma
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine psychologische oder medizinische Diagnose bzw. Behandlung.
Was bedeutet Trauma?
Der Begriff Trauma stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich „Wunde“ oder „Verletzung“.
Psychisches Trauma nach ICD-10
Ein psychisches Trauma entsteht, wenn ein Mensch ein außergewöhnlich belastendes Ereignis erlebt, dass die eigenen Bewältigungsmechanismen überfordert.
Traumatische Erfahrungen haben viele Gesichter:
Typische Ursachen können sein:.
körperliche oder sexuelle Gewalt
emotionaler Missbrauch
schwere Unfälle
Krieg und Flucht
Naturkatastrophen
plötzliche Todesfälle
medizinische Notfälle
Vernachlässigung in der Kindheit
Mobbing oder psychische Gewalt
Besonders belastend wirken häufig wiederholte, oder langanhaltende Traumatisierungen.
Vor allem in der Kindheit!
Während manche Menschen solche Erfahrungen mit der Zeit verarbeiten können, bleiben bei anderen tiefe psychische Spuren zurück.
Oft bleiben die Folgen lange unerkannt. Betroffene funktionieren im Alltag, leiden jedoch innerlich unter ständiger Anspannung, Angst, Schlafproblemen oder emotionaler Überforderung.
Trauma ist keine „Schwäche“ – sondern eine natürliche Reaktion auf außergewöhnliche Situation.
Die internationale Klassifikation psychischer Erkrankungen, die sogenannte ICD-10 (International Classification of Diseases), beschreibt traumabezogene Störungen im Kapitel der Belastungs- und Anpassungsstörungen.
Besonders bekannt ist dabei die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).
24. May 2026
Trauma und Vergessen
Am Karfreitag den 02.04.2010 kam es in Afghanistan, genauer gesagt in Isa Kehl (Provinz Kunduz) zu einem der heftigsten Gefechte in der Geschichte der Bundeswehr.
Im Zuge der Kampfhandlungen verloren drei Kameraden ihr Leben, zahlreiche weitere Soldaten wurden zum Teil schwer verletzt.
Die Ereignisse und Geschehnisse wurden hinlänglich beleuchtet und analysiert.
Was jedoch aus solch einschneidenden Begebenheiten hervorgeht, insbesondere dann wenn die anfängliche Interessen und Hilfsbereitschaft verflogen ist, sei die Tatsache, dass eine Vielzahl von Menschen die im Zusammenhang mit den Ereignissen stehen, hochgradig traumatisiert sind.
Und damit sind nicht nur die Kameraden gemeint, die unmittelbar an den Kampfhandlungen beteiligt waren, sonder auch jene die in "zweiter Reihe" gestanden haben, oder auch noch stehen.
Das sind zum einen die Kameraden, die in den jeweiligen Camps verbleiben mussten und das Gefecht am Funk verfolgt haben, ohne aktiv eingreifen zu können.
Zum anderen handelt es sich um eine Vielzahl von Menschen die in Deutschland die Nachricht von Tod oder Verwundung erfahren mussten.
Eben auch für diese Menschen, steht die Erde für einen Moment lang still und ab da ist nichts mehr wie es vorher war.
Das ist traumarisierend.
Es handelt sich um Freunde, um Kameraden die ein Stück Weg zusammen gegangen sind, das sind Nachbarn, oder Arbeitskollegen aus zivilen Zeiten.
Und natürlich die Angehörigen, egal in welchem Verwandtschaftsgrad.
Während sich der Fokus auf das große Ereignis richtet, werden diese Menschen oft sich selbst überlassen oder leiden weiter im Stillen.
Fallen durch das Raster der Zuwendung.
Es ist an uns, diese Menschen aufzufangen und nicht alleine zu lassen.
Sei es durch Gespräche, durch Präsenz oder einfach durch Zuhören und dem Leid gemeinsam etwas Raum zu geben.
Erinnern kann (unter Vorbehalt) eine Strategie zur Bewältigung sein.
24. May 2026
Der Krieg im Kopf.
Wenn die Waffen schweigen, endet der Krieg meist noch lange nicht.
Der Krieg in deinem Kopf.
Du hast gelernt zu funktionieren.
Drilltraining nennt sich das. Handeln durch pausenloses Wiederholen.
Nicht denken, machen….
„Kontakt links“…. „Feuer erwidern“!!
„IED, IED“….. „Durchstoßen, Durchstoßen“!!
„Achtung RPG“… „Deckung“!!
Doch sind es nicht immer die lauten Situationen die (nach)wirken.
Manchmal sind es die „kleinen Erlebnisse des alltäglichen“.
Hunger, Elend, katastrophale Zustände, die mit einem westlichen Kultur und Werteverständnis unvereinbar sind.
Leid und Entbehrung.
Das Leben in pausenloser Gefahr.
Traumatische Erfahrungen und Erlebnisse finden in vielfältiger Form statt.
Mal hart und direkt, oft auch leise und schleichend.
Du kommst in eine Welt zurück, die dich mit freundlicher Gleichgültigkeit empfängt.
„Was stellt du dich so an? Du hast es dir doch so ausgesucht.“
Ja das hast du!
Du warst voller Ideale, warst motiviert.
All das legitimiert nicht, dass du durch deinen Dienst für die Menschen leiden musst.
Wenn du die Kraft hast, das Trauma zu (er)tragen, dann hast du erst recht die Stärke zur Heilung in dir! (A.Lewald)
Du bist nicht allein.
11. May 2026
Wegbeschreibung
Ich begleite dich während deines gesamten Prozesses. Das ist mein Versprechen an dich.
Grundsätzlich bestimmst du, auf welcher Art und Weise wir miteinander kommunizieren bzw. uns kontaktieren. Ich biete dir die Möglichkeit über face to face im persönlichen Kontakt. Das bedeutet, das wir uns in einem Praxisraum zu einer Sitzung treffen können. (Hamm oder Dortmund). Ich komme gern zu dir nach Hause. Auch gehe ich mit dir in einem Wald spazieren. Wir können uns in ein Café setzen, oder wir treffen uns an einem Ort deiner Wahl.
Mir ist es sehr wichtig, dass wir uns in einer Umgebung aufhalten, die dir Sicherheit bietet und in der du dich wohl fühlst. Das Angebot biete ich für den Raum Dortmund, Hamm und den Kreis Unna an. (Längere Anfahrten oder exklusivere Arrangements müsste ich im Einzelfall jedoch extra berechnen). Darüber hinaus stehen natürlich auch die technischen Möglichkeiten via Teams oder Zoom zur Verfügung. Oder auch telefonischer Kontakt ist möglich. Meine Erfahrung zeigt, dass es sinnvoll sein kann, sich zumindest einmal persönlich zu treffen. Das ist jedoch keine Grundvoraussetzung. Wenn sich mein Angebot für dich interessant anhört, freue ich mich darauf dich kennen lernen zu dürfen.